Bier

O Du prickelndes
Und nie versickerndes,
Du glitzerndes
Und knisterndes,
Du goldenes
Und ewig treu mir folgendes
Bier.

Du niemals trockenes,
Verführerisch verlockendes,
O mein mich liebendes
Und nie versiegendes,
Ob schon mein siebentes
Oder auch mein letztes mir gebliebenes
Bier.

Ich seh‘ Deinen Schaum im Traum,
Und wie das Licht in Dir bricht,
Ist magisch.
Nur dass Du nicht bei mir bist,
Ist tragisch.

Du Götterbrause!
Sprudelgold!
Was and’res hab ich nie gewollt.
Du Hopfennektar!
Sei mein Pils!
Ich will Dich so wie Du mich willst.

O Du mein nie zuviel versprechendes,
Mein deutsches, belgisch, tschechisches,
Mein englisches, australisches,
Mein irisches und spanisches
Und natürlich auch mein skandinavisches
Bier.

Komm sei mein zischendes,
Mein kühles und erfrischendes,
Mein Sorgen zerstreuendes
Und Zweifel wegwischendes,
Mein immer mich erfreuendes
Und niemals zu bereuendes
Bier.

Ich kann nicht ohne Deine Krone.
Nicht leben
Ohne Dich zu heben.
Regelmäßig
Fordert meine Leber gefräßig
Bier.

Du Lebenssaft
Und Zaubertrank!
Mach‘ mich gesund und niemals krank.
Du wunderbares Elixier!
Ich hoff,
Dass ich Dich nie verlier‘.

Ach Du mein überall verkäufliches,
Mein himmlisches,
Mein teuflisches,
Mein jeden Tag verzauberndes
Und häufig mich erschauderndes,
Mein schönes blondes
Aber leider ungesundes
Bier.

Ja mein gemütliches,
Mein jeden Abend übliches,
Mich tagerhellendes
Und meinen Bauch aufquellendes,
Mein niemals antialkoholisches,
Ach du mein diabolisches
Bier.

Ohne Dich wär‘ ich nicht hier.
Ohne Dich bin ich allein
Und traurig.
Kann und will ich nicht sein.
Ich brauch Dich.

Geliebter Feind!
Verdammtes Gold!
Vielleicht hab ich zuviel gewollt.
Mein Gegengift,
Nun heil mich doch!
Ein letztes Glas
Versuch‘ ich noch.

Ja Du mein herbes, kräftiges,
Und leider meistens übermächtiges,
Mein immer treu mir bleibendes,
Mich in den Abgrund treibendes,
O mein betörendes,
Allmählich mich zerstörendes
Bier.

Ach Du mein ploppendes und klingendes,
Doch nur Probleme bringendes,
Ob nun mein helleres
Oder mein dunkleres,
Mein lustig schillerndes
Und doch so böse funkelndes
Bier.

Ich glaub,
Du lässt mich nie mehr los.
Wo ich bin da sind wir,
Gemeinsam,
Doch manchmal hab ich Angst vor Dir
Und fühl mich einsam.

Ich schmeiß Dich weg!
Ich kipp Dich aus!
Ich bring Dich nicht mehr mit nach Haus.
Du Gift!
Du böse Brühe, Du!
Ich dreh Dir jetzt den Rücken zu.

Ach Du niemals lockerlassendes,
Von allen Seiten einprasselndes,
Mich heimsuchendes
Und mit aller Kraft verfluchendes,
Du Wahrheit verdrehendes,
Du drohendes und flehendes
Bier.

Ja Du deprimierendes
Und ins Verderben führendes,
Mich in ein Netz verstrickendes
Und jeden echten Mut erstickendes,
Du mich erst langsam ertränkendes
Und dann mit einem Schlag versenkendes
Bier.

Ach Du gehirnzellenverätzendes
Und leberzerfetzendes,
Wahrnehmungsverfremdendes,
Lebensbeendendes,
Du mich durch und durch verderbendes
Und sogar suizidgefährdendes
Bier.

Du willensschwächendes
Und rückgratbrechendes,
Mich in ein Tier verwandelndes,
Mein Leben verschandelndes,
Du mörderisches,
Tödliches, zerstörerisches
Bier.

Bier!

Wir hatten so ‘ne geile Zeit.
Zusammen mit den Anderen
Oder zu zweit.

Bier!

Für uns war nie ein Weg zu weit,
Wir ging‘ zusamm‘
Von Altona nach Hamm
Und es tut mir so leid,

Bier!

Du gehörst zur Familie,
Doch wir können uns nur schaden,
Nicht helfen,
Darum seh’n wir uns selten.

Bier!

Doch ich denk‘ oft an Dich,
Vielleicht nicht täglich
Aber wöchentlich.

Bier!

Und wenn ich mich von Dir entbinde,
Dann nicht für immer,
Ich weiß doch, wo ich Dich finde.

Bier!

Ich kenn‘ Dich schon so lang.
Wir haben viel erlebt
Schlägereien und Gesang,
Sonnenauf- und untergang.

Bier!

Wer wenn nicht wir?
Wir beide gegen die Welt,
Doch jetzt bin ich auf mich allein gestellt
Und ich weiß gar nicht mehr
Wie es ohne Dich war,

Bier,

Aber ich weiß, Du kommst gut ohne mich klar.
Schon seit Tausenden von Jahren
Wirst Du immer neu gebraut,
Nach verschiedenen Verfahren
Von Ägyptern, Römern und von den Barbaren.

Bier!

Du edler Tropfen,
Du Gedicht aus Wasser, Malz und Hopfen.
Ale und Stout
Und Kölsch und Weiße,
Helles, Dunkles und Export,
Pils und Lager,
Bock und Weizen,
Alles ist in einem Wort

Bier!

Mit Dir feiert man Schlachten
Von Tomzen I. zu Heinrich VIII.

Bier!

Du taufst auch Sünder wie Johannes.
Jede Blume einzigartig.
Orchidee des kleinen Mannes.

Bier!

Du Gossenschampus,
Flüssiges Brot,
Seit 1516 ist Deine Reinheit unser 11. Gebot.
Du brachtest Vielen den Tod,
Doch Dein Aroma
Weckt auch Menschen aus dem Koma.

Bier!

Ob mild, vollmundig oder herb,
Ich trinke Dich solang ich leb,
Du wirst getrunken, wenn ich sterb‘.
Der Durst auf Dich wurd‘ mir vererbt.

Bier!

Dass Dein Genuss die Zunge lähmt
Bis man kaputt am Tresen lehnt,
Am nächsten Tag erwacht, beschämt,
Mit Schmerzen, dass das Auge tränt,
Verzeih‘ ich Dir,
Weil Du mich nie alleine lässt
Von Neujahr bis Silvesterfest.
Du gibst mir Deinen letzten Rest.

Bier!

Und ich Dir meinen auch,
Hirn und Leber schrumpft
Es wächst nur der Bauch.
Und so biete ich und bot ich Dir
Diesen Körper als Opfer,

Bier!

Tulpe, Stange,
Schoppen, Seidel,
Halber, Flöte,
Humpen, Krug,
Maß und Pint und Pitcher,
Yard und Stiefel
Es ist nie genug

Bier!

Du bist nicht wirklich gesund,
Doch Dich zu trinken
Find ich immer ‘nen Grund.
Es ist ein ewiger Bund
Und ich will mich auch nicht scheiden
Nur ‘ne Auszeit von uns beiden
Und Du musst auch nicht traurig sein
Denn am Ende bleibst Du immer mein
Vertrautes
Gebrautes!
Verehrtes
Gegärtes!
Geliebt und doch gehasst
Und gern vom Fass
Mit Flüssiggas
Direkt ins Glas
Und frisch gezapft soll es sein.
Doch auch zu einer guten Flasche sag‘ ich nicht „Nein!“,
Denn am Ende bleibst Du immer mein.
Du machst mich immer wieder schwach
O ach!
Du
Mein Bier!

TomZen2011